Liebe Eltern,
am 17. Mai 2021 fand unser Zoom-Elternabend zum Thema „Sicheres Internet für Kinder und Jugendliche“ statt, den der Medienpädagoge Markus Gerstmann durchführte und auf Ihre Fragen eingehen konnte.
Da nicht alle interessierten Eltern teilnehmen konnten, geben wir Ihnen an dieser Stelle eine Zusammenfassung des Abends. Wenn Sie hierzu noch Fragen haben, leiten wir diese gerne an Herrn Gerstmann weiter. Weiterführende Links finden Sie am Ende der Zusammenfassung.
Zunächst einmal: keine Panik! Erinnern Sie sich an Ihre eigene Mediennutzung als Kind oder Jugendliche/r, an Ihre Medienhelden, Spiele am Computer, an lange Telefonate mit Freunden vom Festnetztelefon, an Ihre ersten Handys und die Spiele, die Sie damit gerne gespielt hatten, usw. Das war toll und faszinierend, und so geht es Ihren Kindern heute auch. Für Ihre Kinder sind Smartphones, Tablets & Co. schon immer da gewesen, sie wachsen damit auf und sie sehen, wie Sie als Erwachsene damit umgehen bzw. auch, wie oft Erwachsene diese Medien nutzen. Sie sind das Vorbild Ihrer Kinder in Sachen Nutzung und Kommunikation!
Immer wichtig: bleiben Sie interessiert daran, was Ihr Kind mit den Medien macht! Lassen Sie sich zeigen und erklären, was Ihr Kind total cool findet und welche Medienvorlieben es gerade gerne hat. Surfen Sie zusammen mit Ihren Kindern im Internet und schauen sich gemeinsam Videos auf Youtube an. Bitte denken Sie daran: zu Hause sind Sie in der Verantwortung, was Ihr Kind im Internet unternimmt!
Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrem Kind. Auch darüber, was Sie nicht in Ordnung finden, und warum das so ist. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es Ihnen um Schutz geht und nicht um Einschränkung und Verbote. Das Ziel ist es, Ihre Kinder so stark zu machen, dass sie kompetent genug sind ihren Weg auch online alleine zu gehen!
Mit dem iPad haben Ihre Kinder nun ein spannendes neues Lernmittel bekommen, welches ihnen viele Möglichkeiten bietet. Für die Kinder (und teils auch Eltern!) gilt:
+ mit dem iPad können Hausaufgaben erledigt werden
+ es können digitale Räume erkundet werden
- es dürfen keine unerlaubten Fotos und Videos von Personen (Recht am eigenen Bild!) gemacht werden
- es darf keine Beleidigungen geben
- man darf keine fremden Personen in Videokonferenzen einladen
- Passwörter weitergeben und/oder knacken ist übergriffig und verboten!
Minecraft – hier bauen sich Ihre Kinder online eine „Welt, wie sie mir gefällt“ (Altersfreigabe ab 6 Jahren)
Fortnite – in diesem Spiel kämpfen 100 Leute gegeneinander auf einer immer kleiner werdenden Insel, bei diesem Spiel entstehen Druck und Anspannung und ganz wichtig: diese Spiel ist erst für Kinder ab 12 Jahren erlaubt!
Ebenso als cool empfunden, aber erst ab 18 Jahren frei gegeben: Call of Duty und GTA!
Auf YouTube kann man auch ab 18 Jahren freigegebene Spiele anschauen: achten Sie bitte darauf, was sich Ihr Kind dort anschaut!
Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Spiele es spielt.
WhatsApp – im Klassenchat kommen schnell mehrere Hundert Nachrichten in kurzen zeitlichen Abständen, das kann nervend sein wenn es ständig Benachrichtigungstöne gibt oder Ihr Kind immer gucken will, was da gerade passiert. Stellen Sie Regeln für die Nutzung des Smartphones auf, wenn Sie dies stört. Wichtig ist aber: auch Sie müssen sich an diese Regeln halten – Ihre Kinder werden genau darauf achten ;-)
Instagram – „Insta“ ist schon nicht mehr ganz so beliebt unter Kindern und Jugendlichen. Dennoch werden dort gerne Fotos geteilt. Begleiten Sie Ihre Kinder beim Umgang damit, welche Fotos online gestellt werden. Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, was ein gutes Foto ist. Ganz wichtig: denken Sie an die Privatsphäre Ihres Kindes! Sich z.B. regelmäßig zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu fotografieren und online zu stellen, gibt fremden Personen Hinweise auf den Aufenthaltsort Ihrer Kinder! Wenn Sie mit Ihren Kindern über solche Aspekte reden machen Sie ihnen bitte klar, dass es um ihren Schutz geht und nicht darum, etwas zu verbieten.
TIKTOK – laut aktueller KIM-Studie ist TIKTOK beliebter als Instagram. Auch hier gilt: Eltern setzen Grenzen! Eltern sind die Vorbilder, die Kinder ahmen Ihr Medienverhalten nach! Wenn Eltern z.B. auf Schulveranstaltungen von den eigenen, aber auch vielen anderen Kindern Fotos machen und filmen und dies einfach online teilen, werden auch Kinder es ganz normal finden, Aufnahmen von anderen Menschen ins Internet zu laden. Ihr eigenes Kind möchte übrigens vielleicht auch nicht überall online erscheinen. Fragen Sie Ihr Kind doch mal, ob es okay ist, wenn Sie ein Bild von ihm/ihr verschicken oder irgendwo hochladen.
Kinder sollen fair miteinander umgehen. Ihnen das beizubringen ist unser aller Aufgabe, seitens der Schule, aber auch seitens der Familien! Was zu Hause vorgelebt wird, zeigt sich auch im Verhalten Ihrer Kinder anderswo! Leider kann man immer wieder auch in sozialen Medien beobachten, wie schnell und heftig erwachsene Menschen andere Erwachsene wegen vermeintlicher Fehler und Schwächen oder anderer Meinungen bösärtig abwerten oder sogar schlimm beschimpfen (als Beispiel wurde im Vortrag erwähnt, dass der Sportmoderator Arnd Zeigler sich wegen übler Beschimpfungen ihm und seiner Familie gegenüber aus Social Media komplett zurückzieht).
Wird Ihr Kind gemobbt: bevor Sie losstürmen und etwas unternehmen, nehmen Sie Ihr Kind erst einmal in den Arm und zeigen Sie, dass Sie diese Situation gemeinsam lösen! Suchen Sie Unterstützung z.B. bei der Lehrkraft, der Schulsozialarbeit, dem regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrum (ReBUZ), dem Mädchenhaus Bremen oder dem Bremer Jungenbüro!
Laut KIM Studie sind zwei Stunden Mediennutzung täglich ganz normal (Fernsehen, Radio, Streaming Angebote, Internet,…). Das Zeitgefühl ist dabei relativ: eine reale Zeitstunde kann als gefühlte Zeit schnell nur 10 Minuten betragen. Benennen Sie feste Zeitpunkte für die Mediennutzung, zu denen dann Schluss sein soll. Machen Sie einen „Agentencheck“: „Es ist jetzt 18.58 Uhr, Du hast noch so und so lange Zeit für Dein Spiel.“ Schaffen Sie Übergange, statt für Frustration zu sorgen. Sie können z.B. Ihrem Kind ein Getränk anbieten und somit ein Ankommen lassen in der realen Welt ermöglichen.
Das Internet ist schön und verführerisch, aber das reale Leben darf nicht vergessen werden. Begleiten Sie Ihre Kinder, werfen Sie einen Anker: reden Sie über Freunde, Aktivitäten im Freien oder anderes Schönes aus der realen Welt.
Wichtig: die Impulskontrolle ist erst im Alter von ca. 25 Jahren voll ausgebildet! Es ist also vollkommen normal, wenn Ihrem Kind auf dem Weg zum Geschirrspüler plötzlich etwas ganz anderes in den Sinn kommt, dem es nachgehen will. Haben Sie Nachsicht, auch wenn es ärgerlich sein kann!
Um Konflikten vorzubeugen ist es ratsam, individuelle Regeln zu besprechen. Reden Sie vor allen Dingen auch darüber, ob immer alles sofort online geteilt werden muss und ob alle anderen Menschen alle möglichen Situationen sehen sollen. Sie können z.B. mit Ihrem Kind einen Internetnutzungsvertrag aushandeln, wo Sie, aber auch Ihr Kind Argumente pro oder contra zu einer Regel bringen. Vergessen Sie nicht: beide Seiten, also auch die Eltern, müssen sich fairerweise daran halten :-)
Am Ende des Vortrages gab es noch zwei Elternfragen. Eine Mutter sprach die freie iPad-Zeit in der Schule an, die teils auch als Belohnung für Kinder gilt. Wie solle man diese Zeit zu Hause mit der Mediennutzung verrechnen? Herr Gerstmann findet, dass die Zeit in der Schule nicht mit der Mediennutzungszeit zu Hause gegengerechnet werden sollte. Wichtig ist immer, ein Gleichgewicht zu halten zwischen Mediennutzung und als Ausgleich z.B. sich draußen an der frischen Luft körperlich betätigen.
Eine andere Mutter sprach die Mediennutzung ihrer Tochter im Teenageralter an und das Gefühl, sie nicht mehr zu erreichen. Herr Gerstmann empfiehlt, ins wertschätzende Gespräch zu kommen, anstatt den erhobenen Finger zu zeigen. Versuchen Sie, Interesse zu zeigen an den Dingen, die Ihre Kinder toll finden und lassen Sie sich diese erklären. Allgemein werden Teenager auch irgendwann wieder vernünftiger.
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https://www.klicksafe.de/ (viele wichtige Informationen für Eltern!)
https://www.mediennutzungsvertrag.de/ (hier können Sie zusammen mit Ihrem Kind einen individuellen Mediennutzungsvertrag erstellen)
https://www.mpfs.de/studien/kim-studie/2020/ (aktuelle Erkenntnisse zur Mediennutzung von Kindern)
https://www.rebuz.bremen.de/nord-1467
https://www.maedchenhaus-bremen.de/
https://www.bremer-jungenbuero.de/
https://www.markus-gerstmann.de/